Migranten an der GS Büttenberg
Im Schuljahr 2005/2006 haben 28 von 130
Schülern (21,5 %) unserer Schule einen Migrationshintergrund. Im Schuljahr 06/07 werden es nach jetzigem Stand in etwa
gleich viel Kinder sein.
Unter ihnen finden sich Kinder, die schon
als dritte Generation in Deutschland geboren sind und teilweise die deutsche
Staatsangehörigkeit besitzen, aber sehr schlecht die deutsche Sprache
beherrschen. Es gibt Kinder die als Asylbewerber nach Deutschland kommen und die
Sprache gar nicht sprechen.
Außerdem steigt in den letzten Jahren
der Anteil der Spätaussiedler an unserer Schule, die mit mangelhaften
Deutschkenntnissen den Regelunterricht besuchen.
Die wenigsten unserer Kinder sprechen so
gut Deutsch, dass sie keiner Förderung mehr bedürfen. Bei allen anderen sind
teilweise erhebliche Sprachschwierigkeiten zu verzeichnen, die eine Integration
erschweren. Einige der Kinder kommen als Quereinsteiger ohne deutsche
Sprachkenntnisse direkt aus dem Ausland.
Zur Zeit haben wir nur ein Kind aus
dieser Gruppe. Da im Schulbezirk allerdings ein Asylbewerberheim ist, kommt es
auch vor, dass 4-5 Kinder ohne Deutschkenntnisse gleichzeitig zum Schulbesuch
angemeldet werden.
Grob können wir für die Ermittlung des
Förderbedarfs folgende Gruppen einteilen:
1.
Kinder
mit umfangreichem Alltagswortschatz und Defiziten in Grammatik und weiterführendem
Wortschatz
2.
Kinder
mit umfangreichem Kinderwortschatz, Defiziten im Verstehen der
„Schulsprache“ und Defiziten in der Grammatik
3.
Kinder
mit geringem Wortschatz ohne Grammatikkenntnisse
4.
Kinder
ohne Deutschkenntnisse
Die Kinder verteilen sich zur Zeit folgendermaßen auf die einzelnen Jahrgangsstufen:
|
Anzahl
der Kinder nach unterschiedlichem Förderbedarf |
|||||
|
Jahrgang |
Förderbedarf 1 |
Förderbedarf
2 |
Förderbedarf
3 |
Förderbedarf
4 |
Summen |
|
Klasse
1 |
0 |
5 |
4 |
0 |
9 |
|
Klasse
2 |
1 |
4 |
2 |
0 |
7 |
|
Klasse
3 |
2 |
1 |
1 |
1 |
5 |
|
Klasse
4 |
6 |
1 |
0 |
0 |
7 |
|
Summen |
9 |
11 |
7 |
1 |
28 |
Die Förderung erfolgt in diesem
Schuljahr für alle Schüler im Umfang von 14 Wochenstunden. Während der Förderung,
der auch eine eingehende Diagnostik vorgeschaltet war, stellte sich jedoch
heraus, dass der Förderbedarf größer war, als wir dies im Vorfeld eingeschätzt
hatten. Gerade die Schüler der Klasse 4, für die zwei
Förderstunden pro Woche vorgesehen waren, brauchen noch intensivere Förderung.
Bei diesen Kindern fehlt neben der Förderung im Bereich Grammatik eine ganz
intensive Wortschatzarbeit. Wir haben festgestellt, dass die komplexen Texte im
vierten Schuljahr von vielen Kindern mit Migrationshintergrund nicht verstanden
werden, da einzelne Schlüsselwörter für das Textverständnis nicht im
passiven Wortschatz vorhanden sind. Hier ist nur eine individuelle Förderung
erfolgreich, die genau dort einsetzt wo jedes einzelne Kind seine Defizite hat
und immer im Kontext mit dem unterricht steht. Die Gruppenstärken, mit denen
wir in der Klasse 4 kalkuliert haben, sind hierfür viel zu groß. Es dürfen für
eine individuelle Förderung maximal 3 –4 Kinder in einer Gruppe sein. Auch
die Anzahl der Förderstunden war mit 2 Stunden pro Woche viel zu gering.
Aufgrund unserer bisheriger Erfahrungen brauchen Kinder der Leistungsgruppe 1
zwei Stunden Grammatikunterricht in einer größeren Gruppe und weitere zwei
Stunden Förderung für die Wortschatzarbeit in Kleingruppen.
Für die Schüler der Klasse 1 haben wir
zwei Gruppen gebildet, abhängig vom Förderbedarf der Kinder, die jeweils 2
Stunden Förderung zusätzlich zum Unterricht bekommen.
Genauso haben sind wir im zweiten
Schuljahr verfahren.
Zwei Kinder, die als Quereinsteiger nach
Deutschland kamen, bekommen jeweils 2 Stunden Einzelförderung.
Die Kinder der dritten und vierten
Schuljahre haben wir zur Zeit in einer Gruppe zusammengefasst und fördern sie
gemeinsam.
Die 14 Stunden Förderung, die wir zur
Zeit anbieten können, sind ein Anfang, dessen Auswirkungen wir frühestens am
Ende des ersten Jahres mit Integrationsförderung feststellen und messen können.
Im Schulkindergarten erfolgte jahrelang
eine intensive Sprachförderung im Unterricht, weil hier die Migrantenkinder den
größten Anteil der Schüler stellten. Ab 2005/2006 ist diese sehr effiziente Möglichkeit
der sprachlichen Frühförderung entfallen. Deshalb wollen wir die Erfahrungen,
die wir hier jahrelang sammeln konnten, so weit wie möglich nutzen. Hierfür würden
wir gerne die Förderstunden für die Eingangsstufe von derzeit 8 Stunden auf 12
Stunden erhöhen, und beantragen für das nächste Schuljahr entsprechende
Ressourcen.
Das wichtigste Prinzip der Förderung für
alle Kinder mit Förderbedarf in der deutschen Sprache ist der Vorrang des Mündlichen.
Sprache ist Kommunikation. Wichtigstes Kommunikationsmittel der Kinder ist das
Sprechen. Durch das Sprechen miteinander und mit erwachsenen Sprachvorbildern
(meist die Lehrer) werden die Kinder sicherer und machen die notwendigen
Fortschritte.
Kinder brauchen auch tragfähige
grammatische Modelle, die sie verstehen und anwenden können. Grammatik ist
neben der Wortschatzarbeit ein Pfeiler auf der Sprachkompetenz ruht.
Diese Förderung ist aber nur in äußerer
Differenzierung möglich. Binnendifferenzierung findet häufig schriftlich
statt, auf jeden Fall überwiegend still, eine direkte Korrektur ist nicht möglich.
Diese Kinder haben einen umfangreichen
aktiven Alltagswortschatz. Wortschatzdefizite zeigen sich in verschiedenen
Fachgebieten. Oft fehlen ihnen diese Fachbegriffe aber auch in der Erstsprache,
so dass der Erwerb neuer Fachwörter umso schwerer ist. Ebenfalls eingeschränkt
ist der Umfang des passiven allgemeinen Wortschatzes. Viele anspruchsvollere
Texte werden für diese Kinder unverständlich, da sie eine große Anzahl von Wörtern
nicht verstehen, gleichzeitig aber nicht gelernt haben, konsequent nachzufragen.
Die Förderung muss hier ansetzen und die
Wortschatzarbeit auf wichtige Fachgebiete ausdehnen. Denkbar wäre eine Auswahl
der Fachgebiete nach den Unterrichtsthemen des Sachunterrichts oder andere, die
Kinder motivierende, Themen.
Ebenso müssen mit den Kindern
Verhaltensweisen eingeübt werden, die ihnen Werkzeuge an die Hand geben, im
laufenden Unterricht den Wortschatz zu erweitern. (z.B. unterstreichen
unbekannter Wörter mit anschließendem Nachfragen etc.)
Weiteres wichtiger Förderinhalt muss die
Sprachbetrachtung sein. Satzgefüge und Nebensatzkonstruktionen müssen von den
Schülern analysiert werden, um den Inhalt zu erfassen.
Kindern mit Zweitsprache Deutsch hilft es
erfahrungsgemäß sehr, wenn sie Regeln erkennen, lernen und verstehen. Die
notwendigen Übungen, um die erworbenen Strukturen zu automatisieren, brauchen
zwingend eine eigene Fördergruppe.
Die Förderung sollte mindestens 3
Stunden pro Woche in einer Kleingruppe von drei bis vier Kindern
erfolgen.
Der Förderbedarf dieser Kinder ist etwas
umfangreicher. Der vorhandene Wortschatz reicht zwar aus, um sich mit
Gleichaltrigen zu verständigen, ist aber noch wenig differenziert.
Auch hier ist die Wortschatzarbeit
das zentrale Anliegen. Im Gegensatz zur ersten Gruppe ist aber die
Ausdifferenzierung des Alltagswortschatzes wichtigstes Ziel der Förderung. Oft
ist die Verwendung der Präpositionen noch falsch. Die Grammatik ist vollkommen
falsch.
Innerhalb der Fördergruppe muss den Kindern durch vielfältige Übungen ermöglicht werden, neue Sprachstrukturen zu erwerben und diese einzuüben.
Die Förderung sollte mindestens drei
Stunden pro Woche in einer Kleingruppe von drei bis vier Kindern
erfolgen.
Bei den Kindern, dieser Gruppe ist der
Wortschatz so gering, dass sogar die Kommunikation der Kinder untereinander beim
Spielen schwer fällt. Die betroffenen Kinder ziehen sich teilweise aus dem
Spielgeschehen zurück, da sie ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht angemessen
äußern können. Vorrangiges Ziel der Förderung ist zunächst der Erwerb eines
einfachen, kindgerechten Grundwortschatzes, bevor durch weitere Förderung die
Kompetenz schrittweise erweitert wird.
Durch vielfältige Spielsituationen müssen
die Kinder in die Lage versetzt werden, gleichberechtigte Spielpartner anderer
Kinder zu werden.
Die Förderung sollte fünf Stunden
pro Woche in einer Kleingruppe von drei bis vier Kindern erfolgen.
In dieser Gruppe sind Kinder, die direkt
aus dem Ausland nach Deutschland kommen und hier sofort eingeschult werden.
Diese Kinder brauchen zunächst einen
Grundwortschatz, mit dessen Hilfe eine einfachste Kommunikation mit anderen möglich
ist.
Je nach Herkunftsland muss gleichzeitig
eine „Zweitalphabetisierung“ in lateinischer Schrift erfolgen.
Bei diesen Kindern ist der zeitliche Förderbedarf
extrem hoch.
Die Förderung sollte mindestens eine
Stunde pro Tag, (bei
notwendiger Alphabetisierung) in Einzelförderung erfolgen.
Der Sprachstand wird bei uns regelmäßig bei der Anmeldung der Schulanfänger mit Hilfe des Tests „Fit in Deutsch“ erhoben.
Jedes Jahr finden wir etwa 12 Kinder, die noch vor der Schule einen entsprechenden Förderkurs besuchen.
Insgesamt reicht diese Förderung jedoch nicht aus. Die Gruppe ist in der Regel viel zu groß und der Förderbedarf so unterschiedlich, dass sehr differenziert gearbeitet werden muss. Den Vorschulkindern fehlen aber Arbeitstechniken wie z.B. Selbstkontrolle o.ä.
Dazu kommt, dass die Kinder am Nachmittag 2 – 3 Förderstunden hintereinander haben, weil es organisatorisch nicht anders zu realisieren ist. Die Kinder sind nach dem Vormittag im Kindergarten oft müde und kaum motiviert. Der Lernerfolg ist somit eher bescheiden. Die Eltern sorgen selten für einen regelmäßigen Besuch der Sprachförderung.
Es ist fast unmöglich, qualifiziertes Personal für die Förderung zu finden.
Insgesamt steht diese Art der Förderung
völlig selbständig da, die Anbindung an Kindergarten oder Schule fehlt.
Die Erfahrung der letzten Jahre hat
gezeigt, dass diese Förderung wenig effizient ist. Somit kommt der Förderung
in der Schule eine noch wichtigere Bedeutung zu.
Nach der Einschulung werden die Kinder
intensiv beobachtet,
dabei werden die Kinder, die ganz
offensichtlichen Förderbedarf haben, schon in den ersten Schultagen entdeckt.
Diese Kinder sind in der Regel mit den Kindern identisch, die schon bei der
Schulanmeldung auffällig waren und Förderbedarf hatten.
Mit dem „Rundgang durch Hörhausen“ können
dann auch die Kinder untersucht werden, die wahrscheinlich noch Defizite in der
phonologischen Entwicklung haben. Die Förderung erfolgt dann mit der Sprachförderbox
Peppino.
Die Beobachtung der Kinder und die
Analyse ihres aktuellen Förderbedarfs wird dann in allen Schuljahren in
Zusammenarbeit von Förderlehrer, Deutschlehrer und Klassenlehrer weitergeführt.
In den einmal in der Wochen stattfindenden Teamsitzungen werden darüber hinaus
auch aktuelle Unterrichtsinhalte in die Förderplanung der folgenden Woche mit
eingebunden.
Folgende Medien unterstützen unsere
Arbeit:
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Vorkurs zur DaZ-Box (Finken-Verlag)
·
DaZ Box (Finken-Verlag)
·
Peppino Sprachbox (Cornelsen)
·
Sprache durchschauen Satzlehre und
Wortlehre (Finken-Verlag)
·
Mein erstes Deutschbuch (Auer – Verlag)
·
Werkstatt Deutsch (Schroedel)
·
Deutsch als Zweitsprache (Schroedel)
·
Deutsch ganz einfach (Software
Westermann)
·
Die Lernwerkstatt (Software
Medienwerkstatt Mühlacker)
·
Verschiedene Spiele zu Präpositionen,
Grammatik, Wortschatz, die ursprünglich zur Förderung Sprachbehinderter
entwickelt wurden, mit leichten Modifikationen an den Spielreglen aber auch für
den Erwerb von Deutsch als Zweitsprache geeignet sind.
·
Über Jahre gesammeltes, teilweise selbst
erstelltes Material der verschiedenen Kolleginnen, deren Herkunft nicht mehr
klar ist, deren Nutzen aber umso sicherer.
Wir hoffen, dass wir mit diesem Konzept einen wichtigen Baustein zur Integration beisteuern können.